Eine Lerngeschichte schreiben Sie in vier Schritten: eine Alltagssituation beobachten und beschreiben, sie im Team besprechen, die Geschichte als Brief an das Kind formulieren und den nächsten Lernschritt planen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Stärken des Kindes und fünf Lerndispositionen – von „interessiert sein“ bis „Verantwortung übernehmen“.

Bildungs- und Lerngeschichten nach Margaret Carr sind ein Beobachtungsansatz, der bewusst auf die Stärken und Interessen eines Kindes blickt, statt Entwicklung an Defiziten zu messen. Entstanden ist er in Neuseeland, im deutschsprachigen Raum ist er heute in vielen Kindergärten fester Bestandteil der Portfolioarbeit.

Was sind die fünf Lerndispositionen?

Im Zentrum stehen fünf Lerndispositionen – Haltungen, die zeigen, wie ein Kind lernt:

  • Interessiert sein: Das Kind wendet sich einer Sache, einer Person oder einem Material zu.
  • Engagiert sein: Das Kind vertieft sich über längere Zeit in eine Tätigkeit.
  • Standhalten bei Herausforderungen: Das Kind bleibt dran, auch wenn etwas nicht sofort gelingt.
  • Sich ausdrücken und mitteilen: Das Kind teilt Ideen und Gefühle mit – mit Worten, Gesten oder Bildern.
  • Verantwortung übernehmen: Das Kind hilft anderen, achtet auf Regeln oder sieht Dinge aus einer anderen Perspektive.

Wie schreibt man eine Lerngeschichte?

  1. Beschreiben: Beobachten Sie eine Alltagssituation und halten Sie möglichst genau fest, was das Kind tut und sagt – noch ohne Bewertung.
  2. Diskutieren: Tauschen Sie sich im Team über die Beobachtung aus. Welche Lerndispositionen werden sichtbar? Oft entdecken Kolleg:innen Aspekte, die man selbst übersehen hat.
  3. Dokumentieren: Schreiben Sie die Lerngeschichte – als Brief direkt an das Kind.
  4. Entscheiden: Überlegen Sie, wie Sie das Kind weiter unterstützen können: Welches Material, welches Angebot, welche Frage könnte als nächster Schritt passen?

Beispiel einer Lerngeschichte

„Liebe Mia, heute habe ich gesehen, wie du in der Bauecke einen hohen Turm gebaut hast. Zweimal ist er umgefallen. Du hast kurz überlegt und dann die großen Steine nach unten gelegt. Beim dritten Mal stand dein Turm – und du hast Jonas gezeigt, wie er auch so hoch bauen kann. Ich finde es toll, dass du nicht aufgegeben hast und dein Wissen mit anderen teilst. Vielleicht willst du als Nächstes ausprobieren, wie man eine Brücke baut? Deine Sabine“

In diesem kurzen Text stecken gleich drei Lerndispositionen: Mia ist engagiert, hält einer Herausforderung stand und übernimmt Verantwortung, indem sie Jonas hilft.

Tipps zum Formulieren

Schreiben Sie in der Du-Form und in einfacher Sprache, damit Sie die Geschichte dem Kind vorlesen können. Beschreiben Sie konkret, was Sie gesehen haben, statt allgemein zu loben – „Du hast die großen Steine nach unten gelegt“ sagt mehr als „Das hast du toll gemacht“. Bleiben Sie bei den Stärken und schließen Sie mit einer Idee für den nächsten Schritt.

Diese narrative Form macht Lerngeschichten auch für Eltern gut zugänglich – sie lesen sich als kleine Geschichte über ihr Kind, nicht als trockene Checkliste.

Lerngeschichten digital festhalten

Digital erfasst – zum Beispiel im Portfoliomodul von aikita – lassen sich Lerngeschichten leicht mit Fotos anreichern, im Team teilen und über die Zeit zu einem stimmigen Entwicklungsbild zusammenführen.